Während ich heute meinen Sonntag damit verbrachte, durch das Schlupfloch eines Buches in andere Welten zu reisen, hätte ich mich nicht gewundert, hätte ich dort eine Inschrift gefunden die besagt hätte: "Ich war hier. Prinzessin Sarah 1985." Da entspann sich eine Welt, die ich schon kannte, die ich aber glaubte, vergessen zu haben. Aber dadurch, dass mir alte Bekannte wie Rotkäppchen, der böse Wolf und Dornröschens Schloss in diesem wunderbaren kleinen Film wieder über den Weg liefen, waren da auf einmal wieder diese Kleinigkeiten, die schon als kleines Mädchen in meiner Fantasie herumgeschwirrt sind. Und ich wusste plötzlich: "Hier war ich schon öfter."
Es ist wirklich schön in meiner Fantasie. Und bin ich erstmal da fühl ich mich dort sehr wohl und zu Hause. Würde da ein Prinz des Weges geritten kommen, auf der Suche nach der Möglichkeit zu einer Heldentat, könnte ich ihm immer noch sagen: "Rapunzel...hm...warten sie. Also da drehen sie am besten um, folgen dem Weg bis zu der Eiche, die aussieht wie eine Teekanne, da biegen sie links ab und an der nächsten Weggabelung wählen sie den rechten Weg und dann reiten sie geradewegs draufzu. Nichts zu danken! Alles Gute!" Heute brauche ich allerdings meistens jemanden, der mich leitet, damit ich in dieses Reich zurückfinde. Wie selbstverständlich einfach dort zu sein, wie das die kleine Tagträumerin in mir früher ständig getan hat, das geht nicht mehr so leicht.
Ganz passend dazu heißt das Buch, das mich heute in dieses Land zurückgeführt hat "Das Buch der verlorenen Dinge". Wobei, verloren habe ich diese Dinge noch nicht. Und Bücher wie diese erinnern mich immer wieder daran, dass ich sie auch nicht verlieren möchte.
Klatschmohn
Sonntag, 4. Dezember 2011
Mittwoch, 9. November 2011
Poesie
Gerade saß ich hier einfach auf Sofa rum und schaute einfach so ein bisschen im Internet. Weil der Fernsehtechniker heute morgen da war und ich überprüft hatte, ob jetzt auch alles wieder vernünftig läuft, war das Programm einfach so auf EinsFestival hängengeblieben. Es lief so nebenbei. Ein bisschen hellhörig war ich zwischendurch geworden, weil der Mann, über den in der Sendung "Stilbruch" berichtet wurde, mir irgendwie charismatisch erschien. Aber trotzdem hab ich nicht hingeguckt. Bis ein Satz fiel:
"Wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber wo ich sterbe, da will ich nicht hin: Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin." (Thomas Brasch)
Wenn mir jetzt einer sagen würde: "Erkläre mir den Satz." oder "Sag es anders." dann würde ich sagen: Besser kann man es nicht sagen. Poesie ist, wenn man das Verstehen nicht mehr denkt, sondern fühlt. Un das muss unmittelbar geschehen. Aus dem "Jetzt" heraus. Würde man es zu erklären versuchen, wäre es keine Poesie mehr.
Über diesen Mann muss ich unbedingt noch mehr erfahren.
"Wo ich lebe, da will ich nicht sterben, aber wo ich sterbe, da will ich nicht hin: Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin." (Thomas Brasch)
Wenn mir jetzt einer sagen würde: "Erkläre mir den Satz." oder "Sag es anders." dann würde ich sagen: Besser kann man es nicht sagen. Poesie ist, wenn man das Verstehen nicht mehr denkt, sondern fühlt. Un das muss unmittelbar geschehen. Aus dem "Jetzt" heraus. Würde man es zu erklären versuchen, wäre es keine Poesie mehr.
Über diesen Mann muss ich unbedingt noch mehr erfahren.
Donnerstag, 11. August 2011
Mein Gewissen
Wollen wir doch mal ernst werden. Und auch ein bisschen politisch. Eigentlich bin ich nicht so wahnsinnig politisch. Mich regen Diskussionen darüber meistens einfach auf. Das mag an der Art liegen, wie diese Diskussionen oft geführt werden. Die meisten Menschen sind einfach sehr eingefahren in ihren Meinungen. Und da nehme ich mich gar nicht aus. Und weil das so ist, wird der Ton oft irgendwann scharf und vernünftige Diskussionen erscheinen unmöglich. Am Ende ist das Ergebnis meistens nur, dass man dazu neigt, sein Gegenüber in dieser Sache einfach irgendwie nicht ernst nehmen zu können und das wars dann auch schon.
Und schon bin ich mitten drin im Thema. Darf man Diskussionen vermeiden, nur weil sie einem zu anstrengend sind? Ich hatte ja jetzt Urlaub. Ich hab den Spiegel immer schon gerne gelesen, aber wenn man das Heft ganz lesen will, dann kann man dafür schonmal ungefähr eine Woche brauchen und dann bleibt wenig Zeit für andere Lektüre. Jetzt hatte ich ja Zeit dafür. Größtenteils war das Thema des Spiegels letzte Woche die Attentate in Norwegen. Mich hat das Thema wirklich sehr beschäftigt. Nicht nur der Anschlag an sich, sondern all die Erscheinungen, über die ich in den Artikeln informiert wurde und die mir klar gemacht haben, dass das rechte Gedankengut in unterschiedlichen Ausmaßen in Europa wirklich weit verbreitet ist. Und dabei geht es nicht nur um die Betreiber der Blogs, aus denen der Attentäter sein krankes Gedankengut bezogen hat. Ich hab darüber nachgedacht und mir wurde klar, dass ich eigentlich schon bemerkt hatte, dass die fremdenfeindlichen Aussagen, die ich auch im Alltag immer mal wieder von Menschen wahrgenommen habe, die ich teilweise eigentlich für vernünftig halte, mit der Zeit immer mehr geworden waren. Irgendwie hat diese ganze Sarrazin-Sache dem auch den Boden geebnet. Vielleicht haben die Leute jetzt auch einfach mal gesagt, was sie schon lange gedacht haben. Ich weiß es nicht genau. Aber wisst ihr, über was ich am meisten geschockt war? Ich habe bemerkt, dass ich dazu nicht mehr den Mund aufgemacht habe. Jetzt, wo ich Zeit hatte, darüber nachzudenken, ist mir aufgefallen, dass ich einfach viel zu oft dachte "Ist mir jetzt zu anstrengend. Hab ich jetzt keinen Bock drauf. Lasse reden." Und ich habe ein schlechtes Gewissen deswegen. Wie oft hauen Menschen irgendwelche Parolen raus, ohne wirklich mal über die moralischen Hintergründe ihres Redens nachzudenken. Und mir fällt das natürlich auf. Aber neben der Anstrengung der Diskussion, habe ich manchmal sogar im Hinterkopf, dass man die Menschen, die man ja manchmal sogar mag - nur nicht in der Sache - jetzt nicht vor den Kopf stoßen will, in dem man ihnen ein moralisch verwerfliches Verhalten unterstellen will. Ist das nicht bescheuert? Ja!
Es fängt doch schon im Kleinen an. Jeder einzelne, der diese Parolen in die Welt haut wird ja schließlich von irgendwem gehört, der es ihm dann vielleicht gleich tut. Eigentlich muss man da sofort dazwischengehen und sagen "Falsch!" Und man darf das nicht aus Bequemlichkeit unterlassen. Ich hab mir vorgenommen, da jetzt mehr meine Meinung zu sagen.
Es geht mir auch gar nicht darum, Menschen, die sich ernsthaft über unsere Einwanderungspolitik Gedanken machen, mundtot zu machen. Natürlich darf man darüber reden. Es kommt nur auf das Wie an.
Ich kann ja sogar auch verstehen, dass die Menschen Probleme mit dem Fremden haben, das Einwanderer nunmal logischerweise an sich haben. Und ich gebe sogar zu, dass es Klischees gibt, die von einigen ausländischen Bevölkerungsgruppen häufig genug erfüllt werden. Aber auch die Deutschen erfüllen ihre Klischees. Und all diese Klischees haben einen Hintergrund. Jeder wird in einer kulturellen Prägung groß. Und gewisse Verhaltensweisen bilden sich durch diese Prägungen. Aber das darf niemandem zum Vorwurf gemacht werden. Das Leben, wie wir es führen, darf nicht zum Maßstab für alle gemacht werden. Selbst wenn sie in unserem Land wohnen. Natürlich ist gute Integration wichtig, aber vielleicht ist das ja auch manchmal einfach nicht so leicht. Sich an die Grundregeln der Gesellschaft und die Gesetze zu halten, sollte ja wohl erstmal ausreichen. Das hat schließlich alles mit der Globalisierung zu tun. Wer die positiven Seiten auskosten will, muss auch mit den Dingen, die einem erstmal unverständlich und vielleicht sogar unangenehm erscheinen, umgehen können. Und wenn man dann mal versucht, zu verstehen was einem unverständlich erscheint, dann gibt es für viele dieser Dinge auch Erklärungen. Manchmal möchte ich einfach sagen: "Wie wärs, wenn du dir einfach mal nen bisschen was über unsere Geschichte und Politik im Allgemeinen durchliest, dann mal nachdenkst und dann reden wir weiter?" Auch wenn der Einzelne von uns für gewisse Dinge keine Verantwortung trägt, so ist es eben eine Tatsache, dass jedes Volk die Folgen seiner Geschichte zu tragen hat. So funktioniert das. Ob es einem passt oder nicht.
Ich habe mich jedenfalls über mich selbst gewundert. Ich neige doch wirklich sehr zum Moralisieren und weiß ganz genau, dass ich damit sogar anstrengend sein kann. Aber ich habe wirklich zu oft den Mund gehalten, wo ich es nicht hätte tun sollen. Und ich habe mir vorgenommen, das jetzt zu ändern. Manchmal wird mir das sicher immer noch schwer fallen. Irgendwie hat man ja auch Angst, zu belehrend zu wirken. Aber vielleicht weiß so mancher, der mit Parolen um sich haut manchmal auch wirklich nicht genug. Und da täte eine kleine Lehre vielleicht wirklich mal ganz gut. Und man hat vielleicht auch Angst, dass der andere aus irgendeinem Grund besser diskutieren kann, als man selbst und dass einem die Argumente ausgehen. Wie gesagt, so politisch bin ich eigentlich nicht. Ich hab da auch meine Lücken. Aber in der Sache an sich weiß ich ja, was richtig ist. Und das Ausbreiten von Fremdenfeindlichkeit kann es nicht sein.
Und schon bin ich mitten drin im Thema. Darf man Diskussionen vermeiden, nur weil sie einem zu anstrengend sind? Ich hatte ja jetzt Urlaub. Ich hab den Spiegel immer schon gerne gelesen, aber wenn man das Heft ganz lesen will, dann kann man dafür schonmal ungefähr eine Woche brauchen und dann bleibt wenig Zeit für andere Lektüre. Jetzt hatte ich ja Zeit dafür. Größtenteils war das Thema des Spiegels letzte Woche die Attentate in Norwegen. Mich hat das Thema wirklich sehr beschäftigt. Nicht nur der Anschlag an sich, sondern all die Erscheinungen, über die ich in den Artikeln informiert wurde und die mir klar gemacht haben, dass das rechte Gedankengut in unterschiedlichen Ausmaßen in Europa wirklich weit verbreitet ist. Und dabei geht es nicht nur um die Betreiber der Blogs, aus denen der Attentäter sein krankes Gedankengut bezogen hat. Ich hab darüber nachgedacht und mir wurde klar, dass ich eigentlich schon bemerkt hatte, dass die fremdenfeindlichen Aussagen, die ich auch im Alltag immer mal wieder von Menschen wahrgenommen habe, die ich teilweise eigentlich für vernünftig halte, mit der Zeit immer mehr geworden waren. Irgendwie hat diese ganze Sarrazin-Sache dem auch den Boden geebnet. Vielleicht haben die Leute jetzt auch einfach mal gesagt, was sie schon lange gedacht haben. Ich weiß es nicht genau. Aber wisst ihr, über was ich am meisten geschockt war? Ich habe bemerkt, dass ich dazu nicht mehr den Mund aufgemacht habe. Jetzt, wo ich Zeit hatte, darüber nachzudenken, ist mir aufgefallen, dass ich einfach viel zu oft dachte "Ist mir jetzt zu anstrengend. Hab ich jetzt keinen Bock drauf. Lasse reden." Und ich habe ein schlechtes Gewissen deswegen. Wie oft hauen Menschen irgendwelche Parolen raus, ohne wirklich mal über die moralischen Hintergründe ihres Redens nachzudenken. Und mir fällt das natürlich auf. Aber neben der Anstrengung der Diskussion, habe ich manchmal sogar im Hinterkopf, dass man die Menschen, die man ja manchmal sogar mag - nur nicht in der Sache - jetzt nicht vor den Kopf stoßen will, in dem man ihnen ein moralisch verwerfliches Verhalten unterstellen will. Ist das nicht bescheuert? Ja!
Es fängt doch schon im Kleinen an. Jeder einzelne, der diese Parolen in die Welt haut wird ja schließlich von irgendwem gehört, der es ihm dann vielleicht gleich tut. Eigentlich muss man da sofort dazwischengehen und sagen "Falsch!" Und man darf das nicht aus Bequemlichkeit unterlassen. Ich hab mir vorgenommen, da jetzt mehr meine Meinung zu sagen.
Es geht mir auch gar nicht darum, Menschen, die sich ernsthaft über unsere Einwanderungspolitik Gedanken machen, mundtot zu machen. Natürlich darf man darüber reden. Es kommt nur auf das Wie an.
Ich kann ja sogar auch verstehen, dass die Menschen Probleme mit dem Fremden haben, das Einwanderer nunmal logischerweise an sich haben. Und ich gebe sogar zu, dass es Klischees gibt, die von einigen ausländischen Bevölkerungsgruppen häufig genug erfüllt werden. Aber auch die Deutschen erfüllen ihre Klischees. Und all diese Klischees haben einen Hintergrund. Jeder wird in einer kulturellen Prägung groß. Und gewisse Verhaltensweisen bilden sich durch diese Prägungen. Aber das darf niemandem zum Vorwurf gemacht werden. Das Leben, wie wir es führen, darf nicht zum Maßstab für alle gemacht werden. Selbst wenn sie in unserem Land wohnen. Natürlich ist gute Integration wichtig, aber vielleicht ist das ja auch manchmal einfach nicht so leicht. Sich an die Grundregeln der Gesellschaft und die Gesetze zu halten, sollte ja wohl erstmal ausreichen. Das hat schließlich alles mit der Globalisierung zu tun. Wer die positiven Seiten auskosten will, muss auch mit den Dingen, die einem erstmal unverständlich und vielleicht sogar unangenehm erscheinen, umgehen können. Und wenn man dann mal versucht, zu verstehen was einem unverständlich erscheint, dann gibt es für viele dieser Dinge auch Erklärungen. Manchmal möchte ich einfach sagen: "Wie wärs, wenn du dir einfach mal nen bisschen was über unsere Geschichte und Politik im Allgemeinen durchliest, dann mal nachdenkst und dann reden wir weiter?" Auch wenn der Einzelne von uns für gewisse Dinge keine Verantwortung trägt, so ist es eben eine Tatsache, dass jedes Volk die Folgen seiner Geschichte zu tragen hat. So funktioniert das. Ob es einem passt oder nicht.
Ich habe mich jedenfalls über mich selbst gewundert. Ich neige doch wirklich sehr zum Moralisieren und weiß ganz genau, dass ich damit sogar anstrengend sein kann. Aber ich habe wirklich zu oft den Mund gehalten, wo ich es nicht hätte tun sollen. Und ich habe mir vorgenommen, das jetzt zu ändern. Manchmal wird mir das sicher immer noch schwer fallen. Irgendwie hat man ja auch Angst, zu belehrend zu wirken. Aber vielleicht weiß so mancher, der mit Parolen um sich haut manchmal auch wirklich nicht genug. Und da täte eine kleine Lehre vielleicht wirklich mal ganz gut. Und man hat vielleicht auch Angst, dass der andere aus irgendeinem Grund besser diskutieren kann, als man selbst und dass einem die Argumente ausgehen. Wie gesagt, so politisch bin ich eigentlich nicht. Ich hab da auch meine Lücken. Aber in der Sache an sich weiß ich ja, was richtig ist. Und das Ausbreiten von Fremdenfeindlichkeit kann es nicht sein.
Dienstag, 9. August 2011
Abend mit Butler
Im Grunde genommen weiß ich überhaupt nicht genau, warum ich ein solches Faible für englische Literatur habe. Vielleicht mag ich einfach diese besondere Art der Ausdrucksweise, die so vielen englischen Romanen eigen ist: Stets auf Höflichkeit bedacht. Selbst wenn die Protagonisten jemandem eine vernichtende Kritik geben, suchen sie die freundlichsten Worte dafür aus. Die Hauptfiguren lassen nie ihre Haltung und Würde vermissen. Also war es eigentlich schon ausgemachte Sache, dass "Was vom Tage übrigblieb" mir sicherlich gefallen musste. Immerhin geht es um einen englischen Butler, der gegen Ende seiner Arbeitslaufbahn eine Reise unternimmt und auf dieser Fahrt sein Leben resümiert. Gibt es einen Berufszweig, dem mehr Haltung abverlangt wird, als dem eines Butlers? Ich kann es mir fast nicht vorstellen. Stevens heißt der Mann, den wir auf dieser Reise begleiten dürfen. Sein alter Arbeitgeber Lord Darlington hat sein Anwesen Darlington Hall verkauft, und jetzt arbeitet er für einen Amerikaner, der ihm vorgeschlagen hat, während seiner Abwesenheit eine Reise zu unternehmen. Früher war Butler in Darlington Hall zu sein, eine große Aufgabe. Es gab viele Hausangestellte, die Stevens zu beaufsichtigen hatte und in den alten Mauern spielten sich Dinge von großer Tragweite ab. Nun besteht der Hausstand gerade noch aus 3 Angestellten. Zwar wird Stevens immer noch viel abverlangt aber die "großen Zeiten" sind vorbei. Stevens macht sich nun auf den Weg, die ehemalige Haushälterin Miss Kenton zu besuchen. Er würde sie - die einst aufgrund einer Heirat das Anwesen verließ und nun durchblicken lässt, dass sie in ihrer Ehe nicht glücklich ist - fragen wollen, ob sie zurück kommen möchte. Wir ahnen schon, dass sie Beziehung der beiden eine besondere war. Liest man sich den Buchrücken durch, geht man davon aus, dass einen eine Liebesgeschichte erwartet. Man freut sich drauf, aber das was einen dann letztendlich erwartet ist um Längen vielschichtiger.
Es geht um die Ansprüche, die Stevens an sich selbst in seinem Leben stellte. Er ging stets voll und ganz in seiner Rolle als Butler auf. Er erzählt uns, dass er sich selbst auferlegt hat nur in den Momenten, in denen er ganz alleine in seinem Zimmer war, seine Rolle ablegen zu dürfen. Ansonsten war sein Leben durch und durch geprägt, von Loyalität seinem Dienstherrn gegenüber: Lord Darlington. Wenn wir jetzt erfahren, dass dieser vor dem zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle in der Apeasement-Politik Chamberlains spielte und in Gespräche mit den Deutschen trat und dass Ribbentropp häufiger Gast in Darlington-Hall war wird deutlich, wie problematisch diese Loyalität war. Stevens war seinem Dienstherrn stets in Bewunderung ergeben und hat dessen Handlungen nie in Frage gestellt. Er weiß um die Kritik an seiner Rolle in den Geschehnissen vor dem Krieg und beginnt nun langsam - und es fällt ihm schwer - selbst darüber nachzudenken, die Dinge für sich zu ordnen und zu beurteilen. Letztendlich muss er dabei auch Dinge, die Zeit seiner Berufslaufbahn für ihn unumstößlich waren, Dinge auf die er stolz war - wie der Tatsache, dass er durch seine Dienste den Geschehnissen auf der politischen Bühne einen reibungslos organisierten Rahmen gegeben hat - in Zweifel ziehen.
Schließlich trifft Stevens auf Miss Kenton. Er hätte sich gewünscht, sie zurückzuholen. Und wenn die beiden merken, dass es zu spät für sie ist, ihr Leben noch zu ändern, dass es hätte anders sein können, dass sie die Punkte, an denen sie eine andere Entscheidung hätten treffen können aber einfach verpasst haben, dann ist das nichts, was den Leser überrascht. So verrückt und leidenschaftlich sind die beiden nicht, als dass man diesen pflichtbewußten Menschen zutrauen würde, einen Rundumschlag für ihre Liebe zu machen. Sie haben die Entscheidung irgendwie ja auch selbst getroffen und trotzdem sie mit einer Prise Melancholie beide wissen, dass es hätte anders sein können, sind sie nicht unglücklich. Es ist, wie es ist. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem Stevens sich endgültig fragen kann "Was vom Tage übrig blieb". Man könnte sagen, dass es traurig ist, dass Stevens erst so spät in seinem Leben überhaupt einmal die Zeit hat... findet... sie sich nimmt, über sein Leben nachzudenken. Aber ist es denn zu spät? So mancher findet die Zeit nie oder nimmt die Unbequemlichkeit eines ehrlichen Lebensresümees nicht auf sich. Er hat es getan. Und am Ende hat er immer noch den Abend.
Die Schichten des Romans sind sicherlich noch viel zahlreicher. Man kann ihn gewiss immer und immer wieder lesen und findet immer wieder neue Lesarten. Da sind so viele Fragen in so vielen kleinen Eckchen versteckt, über die es sich nachzudenken lohnen würde.
Dieser Roman hat im Grunde alles, was man sich wünschen könnte. Er regt einen an, nachzudenken. Er lehrt einen so manches. Er ist traurig und er ist witzig. Stellt euch vor: Dieser steife Butler stellt eines Tages fest, dass sein neuer Dienstherr gelegentlich gerne mit ihm scherzt. Mit dieser Situation ist er komplett überfordert. Aber da er ja pflichtbewusst ist, möchte er auch diesem Wunsch entsprechen. Und wirklich jedesmal, wenn er versucht irgendwie witzig zu sein, versagt er auf ganzer Linie. Und jedesmal wenn er wieder versagt und einfach nicht versteht, was er falsch gemacht hat, geht einem ein bisschen mehr das Herz auf. Er will das Scherzen lernen. Da hat er sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Ich bin mir zwar nicht hundertprozentig sicher, aber ich fürchte, das wird nichts. Und gerade das macht ihn so ungeheuer liebenswert.
Was nicht unerwähnt bleiben darf ist: Es handelt sich hierbei um ein stilistisches Meisterwerk. Wir zweifeln keine Sekunde daran, dass uns diese Geschichte von einem durch und durch beherrschten, altehrwürdigen, in die Jahre gekommenen Butler erzählt wird. Wenn man feststellt, dass dieses Buch von einem 35jährigen in England lebenden Japaner geschrieben wurde, dann kann man das im Grunde gar nicht glauben. Wie die Sprache die Entwicklung eines so klaren Bildes der Hauptfigur in den Köpfen der Lesenden zu unterstützen vermag, das ist wahre Sprachkunst.
Es geht um die Ansprüche, die Stevens an sich selbst in seinem Leben stellte. Er ging stets voll und ganz in seiner Rolle als Butler auf. Er erzählt uns, dass er sich selbst auferlegt hat nur in den Momenten, in denen er ganz alleine in seinem Zimmer war, seine Rolle ablegen zu dürfen. Ansonsten war sein Leben durch und durch geprägt, von Loyalität seinem Dienstherrn gegenüber: Lord Darlington. Wenn wir jetzt erfahren, dass dieser vor dem zweiten Weltkrieg eine wichtige Rolle in der Apeasement-Politik Chamberlains spielte und in Gespräche mit den Deutschen trat und dass Ribbentropp häufiger Gast in Darlington-Hall war wird deutlich, wie problematisch diese Loyalität war. Stevens war seinem Dienstherrn stets in Bewunderung ergeben und hat dessen Handlungen nie in Frage gestellt. Er weiß um die Kritik an seiner Rolle in den Geschehnissen vor dem Krieg und beginnt nun langsam - und es fällt ihm schwer - selbst darüber nachzudenken, die Dinge für sich zu ordnen und zu beurteilen. Letztendlich muss er dabei auch Dinge, die Zeit seiner Berufslaufbahn für ihn unumstößlich waren, Dinge auf die er stolz war - wie der Tatsache, dass er durch seine Dienste den Geschehnissen auf der politischen Bühne einen reibungslos organisierten Rahmen gegeben hat - in Zweifel ziehen.
Schließlich trifft Stevens auf Miss Kenton. Er hätte sich gewünscht, sie zurückzuholen. Und wenn die beiden merken, dass es zu spät für sie ist, ihr Leben noch zu ändern, dass es hätte anders sein können, dass sie die Punkte, an denen sie eine andere Entscheidung hätten treffen können aber einfach verpasst haben, dann ist das nichts, was den Leser überrascht. So verrückt und leidenschaftlich sind die beiden nicht, als dass man diesen pflichtbewußten Menschen zutrauen würde, einen Rundumschlag für ihre Liebe zu machen. Sie haben die Entscheidung irgendwie ja auch selbst getroffen und trotzdem sie mit einer Prise Melancholie beide wissen, dass es hätte anders sein können, sind sie nicht unglücklich. Es ist, wie es ist. Jetzt ist der Punkt erreicht, an dem Stevens sich endgültig fragen kann "Was vom Tage übrig blieb". Man könnte sagen, dass es traurig ist, dass Stevens erst so spät in seinem Leben überhaupt einmal die Zeit hat... findet... sie sich nimmt, über sein Leben nachzudenken. Aber ist es denn zu spät? So mancher findet die Zeit nie oder nimmt die Unbequemlichkeit eines ehrlichen Lebensresümees nicht auf sich. Er hat es getan. Und am Ende hat er immer noch den Abend.
Die Schichten des Romans sind sicherlich noch viel zahlreicher. Man kann ihn gewiss immer und immer wieder lesen und findet immer wieder neue Lesarten. Da sind so viele Fragen in so vielen kleinen Eckchen versteckt, über die es sich nachzudenken lohnen würde.
Dieser Roman hat im Grunde alles, was man sich wünschen könnte. Er regt einen an, nachzudenken. Er lehrt einen so manches. Er ist traurig und er ist witzig. Stellt euch vor: Dieser steife Butler stellt eines Tages fest, dass sein neuer Dienstherr gelegentlich gerne mit ihm scherzt. Mit dieser Situation ist er komplett überfordert. Aber da er ja pflichtbewusst ist, möchte er auch diesem Wunsch entsprechen. Und wirklich jedesmal, wenn er versucht irgendwie witzig zu sein, versagt er auf ganzer Linie. Und jedesmal wenn er wieder versagt und einfach nicht versteht, was er falsch gemacht hat, geht einem ein bisschen mehr das Herz auf. Er will das Scherzen lernen. Da hat er sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt. Ich bin mir zwar nicht hundertprozentig sicher, aber ich fürchte, das wird nichts. Und gerade das macht ihn so ungeheuer liebenswert.
Was nicht unerwähnt bleiben darf ist: Es handelt sich hierbei um ein stilistisches Meisterwerk. Wir zweifeln keine Sekunde daran, dass uns diese Geschichte von einem durch und durch beherrschten, altehrwürdigen, in die Jahre gekommenen Butler erzählt wird. Wenn man feststellt, dass dieses Buch von einem 35jährigen in England lebenden Japaner geschrieben wurde, dann kann man das im Grunde gar nicht glauben. Wie die Sprache die Entwicklung eines so klaren Bildes der Hauptfigur in den Köpfen der Lesenden zu unterstützen vermag, das ist wahre Sprachkunst.
Sonntag, 12. Juni 2011
Hätte ich doch...
Und wieder einmal bin ich überrascht, wie heftig manche Filme im Internet so diskutiert werden. Wie weit Meinungen auseinander gehen können und wie sich sogar regelrecht darüber gestritten wird. Ich rede von dem Film "Der Mörder in mir", der gerade mit Casey Affleck in der Hauptrolle auf DVD erschienen ist. Ich lese mir so die Rezensionen durch und stelle fest, dass meine Herangehensweise in diesem Fall vielleicht nicht die richtige war. Wieder einmal dachte ich mir: "Lies doch zuerst mal das Buch." Das habe ich auch getan. Gestern habe ich dann den Film gesehen und habe durchaus bemerkt, dass einige Details fehlen, die unter Umständen wichtig wären, damit man die erzählte Geschichte in Gänze erfassen kann. Allerdings hatte ich die Informationen ja und daher weiß ich jetzt natürlich nicht mehr, wie der Film auf mich gewirkt hätte, hätte ich das Buch vorher nicht gekannt. Viele regen sich über die Darstellung der Gewalt auf. Ich hatte nichts anderes erwartet. Auch im Buch wird die Gewalt sehr brutal dargestellt. Es handelt sich immerhin um die Studie des Charakters eines skrupellosen Mörders. Natürlich gucke ich mir die Gewaltszenen auch nicht gerne an. Aber wenn ich mir eine solche Geschichte angucke, dann darf ich doch nicht erwarten, dass es nicht brutal zur Sache geht. Da geht es doch auch um einen gewissen Realismus. Dann kann man gleich fragen, ob es überhaupt in Ordnung ist, die Geschichte eines Mörders zu erzählen. Und ich denke, dass das in Ordnung ist. Auch wenn wir uns alle wünschen, dass solche Geschehnisse bitte niemals unser Leben erreichen mögen, so passieren sie doch. Und vielleicht ist es gar nicht so schlecht, auch mal dran erinnert zu werden, dass man nie weiß, was hinter der Fassade eines Menschen schlummern könnte.
Meine Meinung ist einfach, dass der Film nicht leisten kann, was das Buch leistet. Die Größe des Buches macht, so denke ich, in erster Linie aus, dass die Sprache bei der Charakterisierung von Lou Ford, der einem ja die ganze Geschichte aus seiner Sicht erzählt, eine ganz zentrale Rolle übernimmt. Sie ist sehr pointiert, sarkastisch, manchmal sogar irgendwie belustigend. Er stellt sich nach außen hin bewusst unbedarft dar, während er eigentlich ein kluger Kopf ist, der durchaus auch kluge Gedanken hat. Ein kranker kluger Kopf, der das irgendwie sogar ganz genau weiß. Auf eine kuriose Art ist er nicht mal unsympatisch. Man ist hin und her gerissen zwischen Abscheu und Anziehung. Und manchmal verabscheut man sich dann sogar selbst, weil man diesen Psychopathen nicht ganz so abstoßend findet, wie man das eigentlich müsste.
Jetzt kann man einen Film natürlich nicht komplett aus der Sicht einer Person erzählen. Das geht schon alleine deshalb nicht, weil die Bilder, die ja immer auch eine objektive Komponente haben, dann ja herzlich überflüssig wären. Daher bekommt der Zuschauer des Films sehr viel weniger vom Wesen des Lou Ford mit, als es der Leser des Buches tut, der wirklich die ganze Geschichte über in dessen Gedankenwelt festsitzt. Und weil das so ist, kann der Film lange nicht mit dem Buch mithalten. Er kann es einfach nicht schaffen, das einzufangen, was das Buch so besonders macht.
Ich bin mir ehrlich gesagt noch gar nicht selbst darüber im Klaren, was ich denn jetzt von dem Film halte. Ich hab mir schließlich selbst das Beinchen gestellt, dass es mir unmöglich macht, ihn als Einzelwerk zu betrachten. Vielleicht werde ich ihn einfach in einigem Abstand noch einmal sehen. Vielleicht muss ich auch einfach noch ein bisschen darüber nachdenken, oder das muss sich alles noch ein wenig setzen. Ich weiß nur, dass Casey Affleck sehr überzeugend in der Rolle ist. Wer nicht zart besaitet ist und auch mal Dinge konsumiert, die einen nicht einfach unterhalten, sondern auch aufwühlen, dem sei jedenfalls die Lektüre des Buches empfohlen. Und vielleicht will ja auch jemand den Film sehen. Dann halte ich es definitiv für eine gute Idee, erst zu Gucken und dann zu Lesen.
Meine Meinung ist einfach, dass der Film nicht leisten kann, was das Buch leistet. Die Größe des Buches macht, so denke ich, in erster Linie aus, dass die Sprache bei der Charakterisierung von Lou Ford, der einem ja die ganze Geschichte aus seiner Sicht erzählt, eine ganz zentrale Rolle übernimmt. Sie ist sehr pointiert, sarkastisch, manchmal sogar irgendwie belustigend. Er stellt sich nach außen hin bewusst unbedarft dar, während er eigentlich ein kluger Kopf ist, der durchaus auch kluge Gedanken hat. Ein kranker kluger Kopf, der das irgendwie sogar ganz genau weiß. Auf eine kuriose Art ist er nicht mal unsympatisch. Man ist hin und her gerissen zwischen Abscheu und Anziehung. Und manchmal verabscheut man sich dann sogar selbst, weil man diesen Psychopathen nicht ganz so abstoßend findet, wie man das eigentlich müsste.
Jetzt kann man einen Film natürlich nicht komplett aus der Sicht einer Person erzählen. Das geht schon alleine deshalb nicht, weil die Bilder, die ja immer auch eine objektive Komponente haben, dann ja herzlich überflüssig wären. Daher bekommt der Zuschauer des Films sehr viel weniger vom Wesen des Lou Ford mit, als es der Leser des Buches tut, der wirklich die ganze Geschichte über in dessen Gedankenwelt festsitzt. Und weil das so ist, kann der Film lange nicht mit dem Buch mithalten. Er kann es einfach nicht schaffen, das einzufangen, was das Buch so besonders macht.
Ich bin mir ehrlich gesagt noch gar nicht selbst darüber im Klaren, was ich denn jetzt von dem Film halte. Ich hab mir schließlich selbst das Beinchen gestellt, dass es mir unmöglich macht, ihn als Einzelwerk zu betrachten. Vielleicht werde ich ihn einfach in einigem Abstand noch einmal sehen. Vielleicht muss ich auch einfach noch ein bisschen darüber nachdenken, oder das muss sich alles noch ein wenig setzen. Ich weiß nur, dass Casey Affleck sehr überzeugend in der Rolle ist. Wer nicht zart besaitet ist und auch mal Dinge konsumiert, die einen nicht einfach unterhalten, sondern auch aufwühlen, dem sei jedenfalls die Lektüre des Buches empfohlen. Und vielleicht will ja auch jemand den Film sehen. Dann halte ich es definitiv für eine gute Idee, erst zu Gucken und dann zu Lesen.
Sonntag, 22. Mai 2011
Sonntagabend, ein Flugzeug und ich
Gestern Abend saß ich so - kurz vor dem Zubettgehen - auf dem Balkon. Es hatte sich schon wieder dieser leicht grummelige Unterton eingeschlichen, der sonntagsabends gerne mal vorbeikommt, den kein Mensch braucht, der aber immer mal wieder gerne einen Abstecher zu mir macht, um mir zu sagen: "Morgen ist Montag." Ich sitz da also so und gucke in die Sterne und da fliegt ein Flugzeug des Weges. Da hab ich mir gedacht, wie gut die Leute da oben das doch haben. Die Welt ist für die so klein. Aber ich sitz hier auf meinem Fleckchen Erde und komm hier nicht weg. Immer das gleiche. Immer die gleichen Straßen. Immer die gleichen Wege. Immer die gleichen Zeiten. Immer die gleichen Handgriffe. Immer die gleichen Gesichter. Jede Woche Montag. Manchmal kann man diese Monotonie einfach nicht mehr ertragen. Man hat das Gefühl in ihr gefangen zu sein, ohne dass man je danach gefragt worden wäre, ob man das so eigentlich alles will.
Ich sitz da also so. Das Flugzeug über mir. Und da schießen mir lauter Bilder in den Kopf. Ich sitz in Portugal in Estoril am Meer und trink ein eiskaltes Superbock am Kiosk. Oder ich laufe oben auf dem Berg entlang, schaue rüber zum Schloss Neuschwanstein und kann gar nicht genug bekommen von dieser Luft. Oder mein Blick schweift hoch zum Tibidabo, während ich gerade in Barcelona auf der Rambla del Raval sitze und mich wundere, dass es dort gar keine Wespen gibt, die einem ans Getränk wollen. Vielleicht lieg ich auch nur in Holland am Meer. Oder ich stehe wieder an dieser wunderschönen Blumenwiese irgendwo an der Ostsee, die ihr hier im Hintergrund seht.
Und dann wird es ganz schlimm ... dieses Fernweh. Ich muss hier raus. Einfach um wieder zu sehen, dass man auch woanders leben könnte, wenn man wollte. Damit man wieder weiß, dass man sich dafür entscheiden kann, wo man sein will. Und dann weiß man auch wieder, dass man sich einmal dafür entschieden hat, an seinem eigenen Fleckchen Erde zu leben. Und dass man sein Fleckchen liebt und es auch nicht hergeben wollen würde. Aber dafür muss man manchmal einfach raus. Wieder sehen, dass man die Wahl selbst getroffen hat. Man vergisst es leider manchmal.
Ich sitz da also so. Das Flugzeug über mir. Und da schießen mir lauter Bilder in den Kopf. Ich sitz in Portugal in Estoril am Meer und trink ein eiskaltes Superbock am Kiosk. Oder ich laufe oben auf dem Berg entlang, schaue rüber zum Schloss Neuschwanstein und kann gar nicht genug bekommen von dieser Luft. Oder mein Blick schweift hoch zum Tibidabo, während ich gerade in Barcelona auf der Rambla del Raval sitze und mich wundere, dass es dort gar keine Wespen gibt, die einem ans Getränk wollen. Vielleicht lieg ich auch nur in Holland am Meer. Oder ich stehe wieder an dieser wunderschönen Blumenwiese irgendwo an der Ostsee, die ihr hier im Hintergrund seht.
Und dann wird es ganz schlimm ... dieses Fernweh. Ich muss hier raus. Einfach um wieder zu sehen, dass man auch woanders leben könnte, wenn man wollte. Damit man wieder weiß, dass man sich dafür entscheiden kann, wo man sein will. Und dann weiß man auch wieder, dass man sich einmal dafür entschieden hat, an seinem eigenen Fleckchen Erde zu leben. Und dass man sein Fleckchen liebt und es auch nicht hergeben wollen würde. Aber dafür muss man manchmal einfach raus. Wieder sehen, dass man die Wahl selbst getroffen hat. Man vergisst es leider manchmal.
Samstag, 2. April 2011
Eine kleine Perle von Buch
Manche Bücher sind eine kleine Flucht für die Seele aus dem Alltag. Sie müssen einem gar nichts Neues erzählen - keine Informationen beinhalten, die einem noch nicht bekannt waren. Aber was diese Bücher können ist, einem eine Welt eröffnen, in der die Seele ruhen kann. Solche Bücher findet man nicht allzu häufig. Man möchte sie öfter finden. Aber könnte man sie auf Knopfdruck aus der Vielzahl der Bücher die existieren heraussuchen, dann wäre das Erlebnis auch schon wieder nicht das gleiche. Man darf erst beim Lesen merken:" Huppala! Sollte ich da auf eine Perle gestoßen sein? Fühlt sich gut an." Heute durfte ich ein solches Erlebnis haben. Ich habe "Das Labyrinth der Wörter" von Marie-Sabine Roger gelesen. Das Buch ist wohl durchaus bekannt. Aber ich hatte noch nichts von ihm gehört. Mir gefiel die Geschichte und deshalb habe ich nach ihm gegriffen. Dass es inzwischen mit Gerard Depardieu verfilmt wurde, wurde mir erst hinterher bewusst. Gut so! Denn so konnte ich mir meine eigene Hauptfigur Germain Chaze vorstellen und hatte nicht die ganze Zeit Monsieur Depardieu vor Augen.
Aber fangen wir doch erst mal mit dem Inhalt an: Germain gilt in der Gesellschaft, die ihn umgibt als ein ziemlich dummer Mensch. Er hat es nicht so mit dem Lesen und bezeichnet sich selbst als Analphabeten. Er hats auch nicht ganz so mit Gefühlen. Er hat es ganz und gar nicht mit der Beziehung zu seiner Mutter. Und einen Vater hat er gar nicht. Er hat Freunde, die sich regelmäßig in einem Lokal treffen, aber auch die halten ihn nicht für sonderlich pfiffig. Er ist auch ein komischer Kauz, der komische Dinge tut. So zählt er beispielsweise gerne die Tauben im Park. Und wie er das eines Tages gerade tun will, bemerkt er die Anwesenheit von Margueritte. Sie ist eine alte Frau und sitzt auf einer Parkbank. Erst fühlt er sich durch ihre Anwesenheit gestört, doch dann lernen die beiden sich kennen. Sie ist eine sehr gebildete alte Dame und hat ein Faible für Literatur. Stück für Stück bringt sie Germain die Liebe zur Literatur näher - einfach, indem sie ihm vorliest. Dadurch verändert sie sein Leben. Germain merkt plötzlich, dass er gar nicht so dumm ist. Er fängt an zu denken. Er beginnt zu fühlen. Sein Leben bekommt durch sie einen ganz neuen Sinn.
Diese Geschichte ist einfach wunderbar klein. Wir lesen die ganzen kleinen und gar nicht mal so dummen Gedanken Germains. Und wir lernen ihn mögen. Ich persönlich hab vor allem Margueritte gemocht. Menschen ihrer Art berühren mich. Und ich kann Germains wachsende Zuneigung zu ihr voll und ganz nachvollziehen.
Inzwischen habe ich mir auch diverse Rezensionen zu dem Buch durchgelesen und bin überrascht, wie vernichtend einige Menschen in ihrer Kritik waren. Wenn Menschen Bücher rezensieren wird es ja meistens schwierig. Bücher wecken noch vor dem Lesen meist irgendwelche Erwartungen. Wenn diese nicht erfüllt werden, kann man dann schonmal ungehalten werden. Manchmal macht es einen einfach auch wütend, wenn einem die Geschichte eigentlich gefällt, aber man sich an irgendetwas stört, was einem das ganze Erlebnis verpfuscht. Mir sind diese Gefühlsanwandlungen, die eine Kritik plötzlich vernichtend werden lassen also nicht unbedingt fremd. Allerdings bricht es einem ein bisschen das Herz, wenn man sieht, dass einigen Menschen einfach der Blick auf die Schönheit der Geschichte verstellt ist. Es ist einfach zu schade. Dieses Buch will glaub ich doch gar nicht groß sein. Es will einem doch gar keine Weisheiten vermitteln. Darum geht es doch. Darum, dass die Weisheit im Kleinen liegt. Dass man nicht klug sein muss und deshalb aber noch lange nicht dumm ist, solange man sich nur traut für sich selbst zu denken und zu fühlen, wie man eben selbst denkt und fühlt.
Es gibt Bücher, die ich wenn ich sie zugeschlagen habe nicht gehen lassen will. Dann drücke ich das Buch an mich und halte es noch für ein paar Minuten fest. Das habe ich in diesem Fall auch gemacht. Das ist ein bisschen albern. Aber manche Geschichten möchte man eben umarmen!
Aber fangen wir doch erst mal mit dem Inhalt an: Germain gilt in der Gesellschaft, die ihn umgibt als ein ziemlich dummer Mensch. Er hat es nicht so mit dem Lesen und bezeichnet sich selbst als Analphabeten. Er hats auch nicht ganz so mit Gefühlen. Er hat es ganz und gar nicht mit der Beziehung zu seiner Mutter. Und einen Vater hat er gar nicht. Er hat Freunde, die sich regelmäßig in einem Lokal treffen, aber auch die halten ihn nicht für sonderlich pfiffig. Er ist auch ein komischer Kauz, der komische Dinge tut. So zählt er beispielsweise gerne die Tauben im Park. Und wie er das eines Tages gerade tun will, bemerkt er die Anwesenheit von Margueritte. Sie ist eine alte Frau und sitzt auf einer Parkbank. Erst fühlt er sich durch ihre Anwesenheit gestört, doch dann lernen die beiden sich kennen. Sie ist eine sehr gebildete alte Dame und hat ein Faible für Literatur. Stück für Stück bringt sie Germain die Liebe zur Literatur näher - einfach, indem sie ihm vorliest. Dadurch verändert sie sein Leben. Germain merkt plötzlich, dass er gar nicht so dumm ist. Er fängt an zu denken. Er beginnt zu fühlen. Sein Leben bekommt durch sie einen ganz neuen Sinn.
Diese Geschichte ist einfach wunderbar klein. Wir lesen die ganzen kleinen und gar nicht mal so dummen Gedanken Germains. Und wir lernen ihn mögen. Ich persönlich hab vor allem Margueritte gemocht. Menschen ihrer Art berühren mich. Und ich kann Germains wachsende Zuneigung zu ihr voll und ganz nachvollziehen.
Inzwischen habe ich mir auch diverse Rezensionen zu dem Buch durchgelesen und bin überrascht, wie vernichtend einige Menschen in ihrer Kritik waren. Wenn Menschen Bücher rezensieren wird es ja meistens schwierig. Bücher wecken noch vor dem Lesen meist irgendwelche Erwartungen. Wenn diese nicht erfüllt werden, kann man dann schonmal ungehalten werden. Manchmal macht es einen einfach auch wütend, wenn einem die Geschichte eigentlich gefällt, aber man sich an irgendetwas stört, was einem das ganze Erlebnis verpfuscht. Mir sind diese Gefühlsanwandlungen, die eine Kritik plötzlich vernichtend werden lassen also nicht unbedingt fremd. Allerdings bricht es einem ein bisschen das Herz, wenn man sieht, dass einigen Menschen einfach der Blick auf die Schönheit der Geschichte verstellt ist. Es ist einfach zu schade. Dieses Buch will glaub ich doch gar nicht groß sein. Es will einem doch gar keine Weisheiten vermitteln. Darum geht es doch. Darum, dass die Weisheit im Kleinen liegt. Dass man nicht klug sein muss und deshalb aber noch lange nicht dumm ist, solange man sich nur traut für sich selbst zu denken und zu fühlen, wie man eben selbst denkt und fühlt.
Es gibt Bücher, die ich wenn ich sie zugeschlagen habe nicht gehen lassen will. Dann drücke ich das Buch an mich und halte es noch für ein paar Minuten fest. Das habe ich in diesem Fall auch gemacht. Das ist ein bisschen albern. Aber manche Geschichten möchte man eben umarmen!
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