...eigentlich ständig und über alles.
Ich sehe, dass der Schnee schmilzt und staune darüber, dass die kleinen Grashalme darunter noch leben und wie robust diese kleinen Pflänzchen sind. Ich staune darüber, wie unterschiedlich die Stimmen der Menschen so sind und dass Menschen, die miteinander verwandt sind oft auch ähnliche Stimmen haben. Woher mag es kommen, dass die Stimme eines Menschen so ist, wie sie ist? Das muss doch schon wieder was mit Genen zu tun haben. Was machen die eigentlich alles? Und wie funktioniert das? Und dann die Hormone. Noch so eine Sache. Wieso hat man an manchen Tagen eigentlich plötzlich so schlechte Laune, während man an anderen so gute hat obwohl faktisch manchmal gar nichts passiert ist, was der Grund dafür sein könnte? Es ist schon unglaublich, wie wenig wir über einige Dinge wissen, die in uns selber passieren und wie sehr das alles aber doch unser Leben beeinflusst.
Aristoteles hat mal gesagt: "Staunen ist der erste Grund der Philosophie." Und das gilt meiner Meinung nach nicht nur für die Philosophie als eine Form der Wissenschaft, sondern das Staunen ist jeder Anfang des Nachdenkens über die Umstände des Lebens.
Während ich also so vor mich hin staune suche ich nach Erklärungen. Ich versuche die Welt, die Menschen und das Leben zu verstehen. Und am Ende meines Nachdenkens gelange ich eigentlich immer an einen Punkt, an dem man plötzlich die Dinge so nehmen muss, wie sie nunmal zu sein scheinen. Wenn ich mir Gedanken über die Hormone, die Gene, die Menschen, die Natur und das Leben mache, gelange ich immer an den Punkt, an dem es keine weitere Erklärung mehr gibt. Wie ein kleines Kind seine Eltern zur Verzweiflung treiben kann, indem es immer wieder fragt "Warum?". Irgendwann läuft das wohl immer darauf hinaus, dass man keine Antwort mehr weiß und sagt: "Weil das so ist." Manche Dinge sind einfach nicht zu ergründen. Auf manche Fragen gibt es noch keine Antwort und auf manche Dinge wird es wohl nie eine geben, die wir begreifen können. Umso bestaunenswerter. Der Trick liegt dann darin, nicht über das unbedingte Wissen-Wollen zu verzweifeln. Nicht nur in der Verwunderung zu verbleiben, sondern in der Bewunderung annehmen zu können. Denn mal ehrlich: Wir wissen so wenig. Das wusste Sokrates schon vor ewigen Zeiten ... dass er nichts weiß. Und trotzdem hat auch er nie aufgehört zu fragen. Wenn wir uns danach richten kann am Ende nur herauskommen: Frage, aber erwarte nicht, eine Antwort zu bekommen, die am Ende unumstößlich ist. Trotzdem wird die Suche nach der Antwort dich etwas lehren. Und wenn es nur die Lektion ist, dass alles was uns umgibt es wert ist, es zu bestaunen. Es ist im wahrsten Sinne schon wundervoll - dieses Leben!